Allgemein Persönliche Eindrücke

Der Abschied und die ersten Tage in Russland

Der Abschied von unserer Familie ist nun ein paar Tage her. Nachdem wir aber die letzten Tage von früh bis spät unterwegs waren, scheinen die turbulenten letzten Monate bereits ganz lang her zu sein. Mit etwas Ruhe und Abstand kann ich nun darüber berichten, wie wir den Abschied und die ersten Tage in Russland erlebt haben.

Bald geht es los

Ab dem Zeitpunkt in dem wir uns entschlossen haben auszuwandern, ist viel passiert. Wir haben praktisch unser ganzes Leben und die bisher eingegangenen Verpflichtungen gelöst. Den Flug und die Unterkunft in Russland zu organisieren, war dagegen ein Spaziergang. Vier Monate haben wir damit zugebracht unseren Haushalt aufzulösen bzw. einzupacken. Schließlich war die Wohnung eine Woche vor der Abreise tatsächlich leer. Viele, viele Kartons dagegen voll. Noch ein letztes Mal den Besen geschwungen und schon haben die neuen Eigentümer die Schlüssel übernommen. Ab hier waren wir ein wenig obdachlos.

Eine Woche lang durften wir auf der Couch unserer Eltern kampieren und noch einmal Kind sein und uns umsorgen lassen, bevor wir auf uns allein gestellt sein werden. Jetzt hieß es noch ein letztes Mal alle Papiere für die Reise sichten, die Koffer bis zum letzten zulässigen Gramm füllen und warten. Warten auf den großen Tag.

Der Abschied

Die uns verbleibende Zeit in Deutschland haben wir dazu genutzt uns von vielen lieben Menschen zu verabschieden. Wir haben viele gesellige Stunden mit unseren Familien und Freunden verbracht. Jeder Abschied ist uns schwergefallen und einige Tränen sind geflossen. In diesen Momenten wird einem bewusst wie eng manche Verbindungen im Laufe der Jahre geworden sind und wie ungewohnt es sein wird auf diese Menschen zu verzichten und mit ihnen zusammen zu sein.

Auf den Moment in dem man Abschied von seinen Eltern und Geschwistern nehmen muss kann man sich nicht vorbereiten, das Gefühl ist unbeschreiblich traurig und dämpft die Vorfreude gewaltig. Hier hieß die Devise so kurz und so schmerzlos wie möglich. Schließlich kann man den Abflug nicht hinausschieben. Spätestens als die Koffer ins Auto geladen und wir auf dem Weg zum Flughafen waren, stieg die Vorfreude und die leichte Unsicherheit legte sich wieder (auch wenn die Hände noch eine Weile zittrig blieben).

Die Ankunft in Anapa

Der Weg in die neue Heimat war für uns und unseren Hund, der mit auf die Reise ging, anstrengend, aber zum Glück reibungslos. Nach einer Zwischenlandung in Moskau, inklusive Wintereinbruch, erreichen wir nach fast 24 Stunden Reisezeit unser Ziel. Der Pilot dreht noch eine Runde über dem Meer und bietet uns eine perfekte Sicht über die Bucht und das Hinterland, bevor er sanft im Flughafen Anapa landet. Der erste Schritt ist geschafft.

Nach einem kurzen Schnuppern von salziger und jodhaltiger Meeresluft, geht es direkt in die bereits möblierte Wohnung in einer Neubausiedlung. Der Kulturschock bleibt erstmal aus.

Die ersten Tage in Russland

Die ersten Tage in der neuen Heimat bringen wir damit zu uns einzurichten und langsam zu realisieren, worauf wir uns da eingelassen haben. Ständig befinden wir uns in einer Zwischenwelt zwischen Bekanntem und völlig Fremden.

Wir kaufen Lebensmittel ein, wissen aber nie spontan wo wir was finden. Zudem müssen wir uns mit reichlich Trinkwasser eindecken, denn das Leitungswasser in Anapa ist zwar trinkbar aber mit Chlor behandelt.

Eine zentrale Frage in den ersten Tagen spielt tatsächlich die Herstellung einer lokalen Netzverbindung, denn daran hängt auch die Verbindung zur Außenwelt und zu unserer Familie. Dabei werden wir erstmal mit einer stark digitalisierten Welt konfrontiert. Russland ist was das angeht auf einem ganz anderen Level als wir das aus Deutschland gewohnt sind. Am Ende habe ich eine funktionierende Internet- und Telefonverbindung und fühle mich wieder wie ein Mensch.

Der Autoverkehr ist tatsächlich ein Kulturschock. Ich möchte am liebsten meinen Führerschein freiwillig abgeben und kann mir im Moment nicht vorstellen mich hier je ans Steuer zu setzen und waghalsig mitten an einer Kreuzung zu wenden.

Ein Glück steht uns der Bruder von Eduard zur Seite. Chauffiert uns durch die Gegend und steht mit seiner Erfahrung zur Seite. Falls du mitliest, ein großes Dankeschön an dieser Stelle.

Natürlich nehmen wir uns auch Zeit dem Meer einen Besuch abzustatten. Die frische Meeresbrise pustet den Kopf von allen Zweifeln und Sorgen frei und lässt einen wieder tief durchatmen. Die Ruhe und Kraft, die wir hier tanken, werden wir sicher noch brauchen.

Strandpromenade von Anapa, Russland
Strandpromenade von Anapa

Die Momente der Unsicherheit überkommen einen ganz unvorbereitet, immer dann, wenn man gar nicht damit rechnet. Dann heißt es alle Sorgen schnell beiseiteschieben und darauf vertrauen, dass der Anfang immer schwer ist. Schließlich haben wir unser Leben nicht einfach an einen anderen Ort transferiert, sondern komplett auf den Kopf gestellt.

Im Moment wissen wir nicht, was der Tag für uns bereithält und entscheiden spontan, was wir tun oder sehen möchten. Nur für den Moment zu leben, muss gelernt sein.

(4) Kommentare

  1. Irmgard Leineweber sagt:

    Liebe Elena,
    ich fühle gerade mit Euch! War schon sehr gespannt auf diesen neuen Bericht, man kann sich komplett ich Euch hineinversetzen. Wünsche Euch ein gutes Ankommen, viele positive Eindrücke und besseres Wetter – bei uns war es grausig die letzten 2 Wochen, auch wir warten auf den Frühling 🙂
    Ganz liebe Grüße, Irmi

    1. Liebe Irmi,
      leider warten wir hier auch noch auf den echten Frühling. Zum Glück ist auch so genug zu tun und wir sind schon mittendrin im Abenteuer.
      Besten Gruß, Elena

  2. Nicky Lehle sagt:

    Liebe Elena,
    auch ich verfolge deinen Blog ganz gespannt. Habe oft an dich gedacht, wie es euch wohl so ergeht und gehofft, dass alles gut geht. Wie du schon sagst, aller Anfang ist schwer, aber wenn das jemand schafft, ne nicht nur schafft, sondern super meistert, dann ihr! Wenn ich das so lese, kann ich mir genau vorstellen wie es euch gerade so ergeht. Bleibt positiv und freut euch auf das was noch kommt! Ich wünsch euch auf jeden Fall nur des Beste und bin schon gespannt wie es weitergeht 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Nicky

    1. Vielen Dank, ich freue mich jedes Mal über jede kleine Nachricht aus der Vergangenheit.
      Besten Gruß
      Elena

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert